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Donnerstag, 11. Januar 2018

Homöopathie - Beißen und gebissen werden

Menschen beißen eigentlich nicht und wenn doch, dann ganz zart. Ein solches Verhalten wollen wir zivilisierte Menschen den Tieren überlassen. Eine spannende homöopathische Rubrik ist daher das <Verlangen zu beißen>. Die folgenden rot markierten Arzneimittel sind alle mindestens zweiwertig und sie stammen aus Barthels Synthetischem Repertorium, Seite 24.

Die Rubrik enthält zwei dreiwertige Arzneien: Belladonna und Stramonium.


Reifer Stechapfel. Bitte kontaktieren Sie mich wenn Sie das Foto verwenden möchten

Wir erkennen unschwer, dass es sich um Mittelaltermittel handelt. Das Beißen ist die dunkle Seite eines Hexenkrautes, das im Mittelalter von Heilkundigen benutzt wurde um in Trance zu geraten. Wenn wir in einen anderen Zustand versetzt werden, dann gibt unser Wesen auch Züge preis, die außerhalb des zivilisierten Verhaltens liegen.

In der Natur beißen also Tiere. Wir schauen auf mögliche Tierarzneien in der Liste. Es sind derer drei: Calcium carbonicum, Cantharis und Lachesis. Zuerst dachte ich an einen Fehler bei Calcium, denn die Hälfte dessen was in einem Repertorium steht ist, wie mein Lehrer immer so schön sagt, falsch. Dann fiel mir ein, das Beißen könnte bei Calcium bedeuten, dass er <sich einen Happen sichert>. Wie kommt das? Calcium carbonicum finden wir auch in der Rubrik <Vielesser; Schlemmer> (Seite 162) - einer der Gründe warum dieser Arzneityp fast immer übergewichtig ist. Etwas zu „sichern“ ist zudem ein Charakterzug aller Karboniker. (Das sind Arzneitypen mit Endung –carbonicum.) Diese Kohlenstofftypen tun alles um ihren gewichtigen Status zu sichern. Deshalb muss ihr Kühlschrank stets gefüllt sein. Gleiches gilt für den teuren Weinkeller, mit welchem man bei neuen Bekannten ordentlich angeben kann.

Beim nächsten Mittel wird es krass: Cantharis vesicatoria ist die Spanische Fliege – ein Mittel um den Sex anzuheizen. Unschwer leiten wir ab, dass es sich um einen sehr sexuellen Menschen handelt. Das Beißen ist Ausdruck einer Fixierung auf Sex: Es sind gepiercte Typen mit Neigung zum Sado-Masochismus. Gebissen werden tut weh, aber manchem gefällt das. Masochistisch-bisexuelle Züge hat die Buschmeisterschlange Lachesis, doch hier kommt etwas Entscheidendes hinzu: Das Beißen bei Lachesis ist nicht nur ein Mittel um ihre Macht zu demonstrieren – typisch für Tiermittel –, es dient auch dazu, den Partner zu markieren, damit er nicht zu anderen Frauen abwandert. Schauen wir doch einmal in die Rubrik <Eifersucht> im oben genannten Repertorium (Seite 46). Dort finden wir neben Lachesis auch Hyoscyamus (schwarzes Bilsenkraut). Diese Menschen wollen mit dem Partner verschmelzen. Darunter machen sie es nicht. Das Beißen ist also Ausdruck einer extremen Nähe. Warum wird jemand so extrem? Es ist eine Verlassenheitsangst. Diese spielt beim nächsten Mittel eine überragende Rolle:

Campher-Typen krallen sich in andere Menschen hinein, weil sie keinen emotionalen Bezugspunkt in diesem Universum haben (übrigens auch Bismuthum). Das ist ein erheblicher Befund: Er bedeutet nichts Geringeres als dass sie nicht allein leben können. Das Hineinkrallen leitet über zum nächsten Mittel: Cuprum



Der Kupfermensch ist zunächst ein fanatischer Denunziant. Wir finden seinen Fanatismus im Bronchialasthma wieder. Unter einer Gabe Cuprum kann es den Betroffenen gelingen zu innerer Ruhe zurück zu finden anstatt den Einpeitscher spielen zu müssen. Das Hineinkrallen lässt sich noch steigern, mit Lyssinum. Das Mittel hat viele Anklänge an das europäische Mittelalter und über die Indikation <Tollwut> einen Bezug zum Animalischen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, was dieser renommierte Homöopathielehrer zum Thema sagt:

„Alle Nosoden haben in irgendeiner Weise etwas Besessenes.“ ~ Dr. Harry van der Zee

Es fehlen noch zwei Arzneien. Carboneum sulphuratum ist ein Angsthase, der zu nächtlicher Erregung und destruktivem Zorn neigt. In dieser Verfassung überschreitet er, der ansonsten intimen Kontakt scheut, eine rote Linie und wird übergriffig. Als letztes Phytolacca: Das Mittel hat mit Belladonna folgende Indikationen gemeinsam: <rot, heiß, brennend und schießende Schmerzen>. Im Schmerztyp <schießend> können wir das Schütze-Temperament erkennen. Die dunkle Seite dieses Feuerzeichens sind Wutausbrüche und von dort ist es nur ein kleiner Weg zum Beißen. Weitere Infos zur Homöopathie finden Sie in meinen Büchern, darunter ...




Dienstag, 9. Januar 2018

Im Beratungsgespräch - Wo liegt der Hund begraben?

Ein Beratungsgespräch ist meist keine einfache Geschichte, doch es gibt auch Naturtalente, die Einfühlungsvermögen genauso wie Penetranz des Fragens überhaupt nicht lernen müssen. In diesem Blogartikel möchte ich einen alten Fall schildern. Thema war ein eingeklemmter Nerv.

Ich hatte einen stark übergewichtigen Klienten, der mich wegen seines immer wiederkehrenden eingeklemmten Rückennervs konsultierte. Er beauftragte mich ihm dabei zu helfen die Ursache zu finden. Ich machte ihm klar, dass die Antwort unangenehm für ihn sein könnte. Er wagte das Experiment und wir hatten Erfolg.

Er erzählte mir von 70'000 Euro Schulden und vielen Bewerbungen, die nicht zum Erfolg führten. Er hatte keine Freundin zu dieser Zeit, schämte sich wegen seines Körpergeruchs und litt unter der Einsamkeit. Seine Freundinnen durfte er nicht zu seinen Eltern bringen. Diese waren christliche Fundamentalisten, weshalb sie voreheliche Aktivitäten ablehnten.

Ich fragte ihn nach einigen Sätzen, ob er mir wirklich alles erzählt hätte was ihn bedrückt. Ich bemühte mich besonders sanft zu sein und ihm zu vermitteln, dass ihm das nützen würde. Schließlich kam er an meinem arsenischen Scharfblick und meiner sulphurischen geistigen Trennschärfe nicht vorbei. Er berichtete, … dass die Schulden aus einer Schlägerei entstanden, in welche er als Jugendlicher verwickelt war – für seine pazifistischen Eltern ein absolutes Unding. Seither, so fühlte er, sei das Verhältnis zu ihnen gestört. Er war ein sanfter Riese, der im Gespräch oft lachte.

Wir fanden heraus, dass er seine Schulden als sehr belastend empfand. Diese Scham und die Aussicht, über lange Zeit damit leben zu müssen verschob seine Achsensymmetrie, … bis sich ein Nerv einklemmte.

Verkrampfungen, Verschiebungen, Enge- und Kompressionsgefühle im Körper sind fast immer mit Angst oder Wut, oft auch beidem, verbunden. Wenn ich eine Beratung habe und blicke nach Tagen noch nicht richtig durch, dann hilft mir meistens diese alte Erfahrung.

Danke für’s Lesen und Ihnen eine erfolgreiche Restwoche. Zum Schluss noch etwas Werbung in eigener Sache - mein einziges englischsprachiges Buch, als eBook:


Freitag, 5. Januar 2018

Homöopathie - Die Barium iodatum Persönlichkeit

Barium iodatum ist ein kleines Mittel. Doktor Boericke widmet ihm einige Zeilen. Wir sehen, dass die Arznei aus dem Schwermetall Barium und dem Halogen Jod zusammengesetzt ist. In der Beschreibung finden wir beide Anteile wieder.

In diesem Mittel fließt die Menschenfurcht von Barium zusammen mit der außergewöhnlichen Störbarkeit von Jod. Das Ergebnis ist ein Rückzug nach innen. Doktor Boericke nennt ein Vergleichsmittel. Es ist Conium maculatum. Den Schierling finden wir in folgender Rubrik in Zandvoorts Complete Repertory Mind auf Seite 247: <Fürchtet sich davor die Tür zu öffnen>. Was erkennen wir? Eine gestörte Umweltbeziehung. Gehen wir zu den nächsten Symptomen:

„Geschwollene Halslymphknoten und gehemmtes Wachstum." ~ W. Boericke: Homoeopathic Materia Medica & Rep, Seite 109

Kranke Halslymphknoten haben nicht nur einen Bezug zu blockierter Wut, sondern auch zu gestörten Beziehungen. Hierzu sollte man wissen: Lymphknoten filtern Krankheitserreger aus der Lymphe. Diese Erreger sind keinesfalls unnötig oder böse; sie sind notwendige Herausforderungen durch die Umwelt. Ein Immunsystem mit Funktionsstörungen zeigt bei kindlichen Mitteln wie Calcium und Barium eine Schwäche beim Konfrontieren der Umwelt. Schauen wir noch genauer hin, dann erkennen wir eine Angst erwachsen zu werden. Diese einfachen Geschöpfe glauben das Erwachsenleben sei nichts für sie; also verweigern sie sich, wie man es deutlich am Symptom <gehemmtes Wachstum> erkennen kann. Astrologie? Saturn im 7. Haus. Wir kommen zum nächsten Baustein. Er heißt astrologisch Mond im 4. Haus oder Krebs:

"Modalität: Schlechter durch Gehen --- Ophthalmie [Entzündung der Augenbindehaut oder des Augapfels]" ~ Murphys Klinische Materia Medica, Seite 320

Beide Indikationen spiegeln das für Barium typische Nesthocken. In die <gefährliche Welt da draußen> kann er nicht gehen; zudem verweigert er das Sehen. Dann bleibt er zu Hause. Im Mittelalter waren es Jugendliche, die den ganzen Tag hinter dem Ofen saßen.

„Diese Arznei wird bei verhärteten Drüsen eingesetzt.“ ~ Murphy, S. 320

Die Verhärtung im Körper zeigt auch eine Verhärtung auf der seelischen Ebene an. Dafür zuständig ist das Steinbock-Temperament von Jod. Dieses Tierkreiszeichen finden wir wieder im abweisenden und einzelgängerischen Jod-Charakter. Die Verhärtung ist aber auch das Ergebnis von verlorenen Machtkämpfen. Barium ist ein unerfahrener Mensch (niedriges Stadium im Periodensystem), der in Machtkämpfen fast immer den Kürzeren zieht.

Vielen Dank fürs Lesen! Weitere Information zur Homöopathie finden Sie in folgenden Büchern von mir:




Mittwoch, 3. Januar 2018

Alles Scheiße Deine Elli - Jod - Neptun im 6. Haus

Das homöopathische Jod gehört eigentlich in die noch einzurichtende Rubrik <inkoordiniert>. Ihm fehlt eine innere Taktung und ein natürliches Ordnungsgefühl. Diesen Mangel finden wir astrologisch als Neptun im 6. Haus. Wer diese Neptunstellung im Grundhoroskop hat, neigt dazu alles in panischer Sorgfalt zu verrichten, damit ihm - wie er glaubt - nicht alle Felle wegschwimmen. In diesem Artikel möchte ich auf Jods spezifische Ordnungsproblematik eingehen.

Jods Super-Gau wäre das <Waten im Kot> - seine Horrorfantasie von einem Meer unkontrollierten Gestanks. Aus der Metaebene ist es ein "Zusammenfluten allen Seins" - eine Ausprägung des hohen Stadiums im Periodensystem der Elemente (Stadium 17). Jan Scholten nennt die hohen Stadien auch "schrittweises Loslassen" und dieses passt nach meinen Recherchen auf das Zeichen Fische. Damit der Jod-Typ in der Arbeitswelt funktionieren kann, kompensiert er auf folgende Weise, nämlich durch das Gegenzeichen Jungfrau:

In Roger van Zandvoorts „Complete Repertory Mind“ ist Jod gelistet in folgenen Rubriken: <Sorgfalt>, Seite 64 und <arbeitsam>, Seite 298 --- In der "ComRep Software für Homöopathie - Version 10" findet sich Jod in diesen Rubriken: Fleiß; Arbeitswut; Reizbarkeit; Gereiztheit

Die Gereiztheit sollten wir im Zusammenhang sehen mit dem 4-wertigen Eintrag in Zandvoorts Mind Rep auf Seite 416: <Will nicht angesprochen werden>. Wer keine Kommentare von außen ertragen kann, der fürchtet massiv um den "roten Faden seines Denkens." Er glaubt, dass jeder auch noch so harmlose Zwischenruf seine ultralogischen Denkprozesse zerreißen könnte. Möglicherweise ist das ein Irrglaube, aber der Jod-Typ ist so programmiert. Im Vergleich dazu kann die gesunde Jod-Persönlichkeit souverän mit dem stinkenden Chaos umgehen. Sie unterschreibt grinsend ihre eMails mit "Alles Scheiße, Deine Elli", während sie mit verkleckster Arbeitsjacke bekleidet das windelverkackte Baby in den Armen hält.

Zum Thema <Scheiße> gäbe es noch so einiges zu sagen: Gas-Wasser-Scheiße zum Beispiel als dunkle Seite des Stier-Temperaments, außerdem die beschissene Seite von Sauerstoff (Oxydatum) ... und das neue Mittel Excrementum caninum (Hundekot). 

Na denn, Prosit Neujahr und vielen Dank fürs Lesen! Weitere Information zu Homöopathie und Astrologie erhalten Sie in folgenden Büchern von mir: